RESOLUTION / LANDESVERTRETERVERSAMMLUNG AM 16.112019

 

Klimaangepasste Wälder fördern

Naturnahe Wälder sind in ihren vielfältigen Funktionen einzigartig. Sie sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen, unter anderem produzieren sie Sauerstoff, reinigen die Luft von Feinstaub und sind ein Garant für Grundwasserneubildung.

Das Land Brandenburg verfügt über etwa 1,1 Mio. Hektar Waldfläche. Davon sind über 70 % mit reinen Kiefermonokulturen bestockt, die hauptsächlich der Holzgewinnung dienten und dienen. Durch ihre gleichartige Baumartenzusammensetzung lassen sie kaum Raum als Lebensstätten für Tiere und Pflanzen und zur Erfüllung der Waldfunktionen.

So haben auch die Auswirkungen des Klimawandels, wie die Sturmereignisse in 2017 oder die Hitzesommer 2018 und 2019 gezeigt wie wenig naturferne, durch hohe Stickstoffdepositionen geschwächte Forstmonokulturen diesen Extremwetterereignissen entgegensetzen können. Nadelreduzierte Baumkronen, Große Windwurfflächen, Insektenkalamitäten und großflächige Brände sind die Folgen nicht nur neuer extremer Wetterereignisse, sondern in erster Linie Folgen einer fehlgeleiteten Forstpraxis.

Doch wie können wir die naturfernen Forstmonokulturen wieder in naturnahe Waldökosystemen mit all ihren ökosystemaren Leistungen und Funktionen zurückführen?

Seit 1990 wird durch die Landesforstverwaltung Brandenburg der Umbau der Brandenburger Kiefernbestände in naturnahe Mischwälder betrieben. So sind bis 2014 etwa 75.000 Hektar Kiefernwälder mit Laubholz angereichert worden. Ein guter Anfang, aber längst nicht ausreichend. Mit diesem Tempo wäre der Waldumbau erst in etwa 150 Jahren abgeschlossen.

Naturnahe Mischwälder sind Lebensraum für viele Organismen, die ökosystemare Prozesse wie Kohlenstoffspeicherung sicherstellen und dadurch einen Beitrag zur Stabilisierung des Klimas leisten. Durch ihren höheren Laub- und Totholzanteil und durch die geringere Wasserverdunstung und verbesserte Wasserhaltefähigkeit bieten sie wirksamen Schutz vor Waldbränden.

Daher fordert der NABU Brandenburg folgende Maßnahmen:

Waldumbau – Naturnahe Waldnutzung

Weg von den Monokulturen hin zu naturnahen, leistungs- und widerstandsfähigen Laub-Mischwäldern aus einheimischen standortgerechten Laubbäumen. Die Anstrengungen zum Waldumbau müssen dazu deutlich erhöht werden. Dabei ist der Naturverjüngung oder Aussaat gegenüber der Anpflanzung der Vorrang zu geben, da diese am besten an örtliche Standortbedingungen angepasst sind. Für die Naturverjüngung ohne Schutzmaßnahmen (Zaun oder Einzelschutz) braucht es ein effektives Wildtiermanagement zur Bestandsanpassung von Rehen und Hirschen.

 

Nach § 11 des Waldgesetzes des Landes Brandenburg muss innerhalb von 3 Jahren eine Wiederaufforstung auf Brandflächen oder nach großflächigen Einschlägen erfolgen. Diese Frist steht einer Naturverjüngung entgegen und muss daher verlängert werden.

Struktur- und Baumartenvielfalt im Wald erhöhen

Wälder müssen widerstandsfähiger und damit klimaresistenter werden. Statt einförmigem gleichaltrigem Stangenholz müssen wieder alle Sukzessionsstadien die neuen Wälder kennzeichnen, mit alten Bäumen, die das Waldbild prägen. Um den Holzvorrat im Wald und damit die CO2 Speicherung zu erhöhen, sollten auf Maßnahmenflächen Holzeinschläge mit maximal 30 Prozent des Holzvorrates innerhalb von 10 Jahren erfolgen.

Entwässerungsgräben sind wo immer möglich zurück zu bauen, Waldmoore und Waldgewässer sind zu renaturieren. Totholz, mit seinen Urwaldreliktarten und hochdiversen Pilz-, Bakterien- und Moosflora ist auch aus Sicht des Artenschutzes von großer Bedeutung.

Forstverwaltung und Beratungsfunktionen

Für ein zukunftsfähiges naturnahes Waldleitbild müssen Waldbesitzer und Kommunen beim Waldumbau und bei der Wiedergewinnung von Wäldern, insbesondere hinsichtlich der Umsetzung von Maßnahmen zu naturnahen und damit klimaangepassten Wäldern, eine fachgerechte Beratung in Anspruch nehmen können. Dazu muss der Landesforstbetrieb personell und fachlich angemessen entwickelt werden.

Waldinfrastruktur

Der massive Waldwegeausbau, insbesondere in Schutzgebieten, ist zu minimieren. Für den Waldbrandschutz und selbst für die Holzabfuhr sind viele Wege bereits ausreichend ausgebaut. Das schematische Vorgehen gemäß der Betriebsanweisung von 2012, alle Forstwege im Abstand von ein mal ein Kilometer mit Schotter oder Recyclingmaterial grundhaft auszubauen, darf in dieser Form nicht weiterverfolgt werden.

Waldwildnisgebiete

Wildnisflächen sind Orte hoher biologischen Vielfalt und zeigen, wie Waldsukzessionen ohne Eingriff des Menschen ablaufen. Deshalb fordert auch die nationale Biodiversitätsstrategie, dass 10 % des Landeswaldes als Wildnisflächen gesichert werden müssen, dabei sehen wir einen Vorrang bei den naturnahen Laubwäldern in Schutzgebieten. Die derzeit im Land Brandenburg gesicherten Waldwildnisflächen sind mit 2 % der Waldfläche von diesem Ziel noch weit entfernt.

Umlage des Gewässerunterhaltungsaufwandes

Grundwasser aus naturnahen Wäldern zeichnet sich durch eine besonders hochwertige Qualität aus. Natürliche Fließgewässer in Wäldern benötigen keinerlei oder nur eine geringe Gewässerunterhaltung. Demgegenüber verursacht die Gewässerunterhaltung in landwirtschaftlich genutzten Flächen, von natürlichen Bächen und Flüssen sowie des Entwässerungs- und Meliorationssystems, regelmäßig erhebliche Kosten. Diese Gewässerunterhaltung dient im Wesentlichen der landwirtschaftlichen Nutzung und kann zu erheblichen Schäden bei Moorböden, zu unnatürlichen Nährstofffreisetzungen und zur Beschleunigung von Hochwasserabflüssen führen. Deshalb sollten Wälder nur zu einem äußerst geringen Anteil am Erhaltungsaufwand beteiligt werden.

  


 

Auszug aus dem Tätigkeitsbericht des NABU Regionalverbandes Oranienburg e.V. am 19.10.2019

Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum vom Oktober 2018 bis September 2019 und gliedert sich in Angaben zum Arten- und Biotopschutz, zur Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

  1. Arten- und Biotopschutz

         Arbeiten im Rahmen der AG „Gebiets- und Artenschutz“:

      ⇒ laut Arbeitsplan: Jahresberichte des Betreuernetzes für Schutzgebiete und Arten; Exkursionen in das NSG „Untere Havel“ bei Strodehne und das

          NSG „Schnelle Havel“ (Revitalisierungsprojekt) bei Neuholland.

      ⇒ Brutvogel-Monitoring in der Normallandschaft   

      ⇒ Artbetreuungen (Weißstorch, Kranich, Schrei-, See- und Fischadler, Turmfalken, Schleiereule,Rauch-, Mehschwalben, Mauersegler,

          Lurche,Fledermäuse)   

       ⇒ Pegelmessungen im Grabensystem Feuchtwaldgebiet Bernöwe

       ⇒ spezielle Arbeitseinsätze: Sohlräumung Bootsliegeplatz im NSG „Kremmener Luch“ am 23.08. durch Siegfried Behrendt, R. Heigel,

          N. Jänicke, H. Remek, H.-W. Schmidt, Sohlräumung der Gräben im Bereich „Neumannsloch“ am 07.09.18 mit 12 Personen,

          Beräumumg der Einlassbauwerke an der „Entenwerft“ und dem „Kranichbruch“ im FFH-Gebiet „ Kreuzbruch“ von Biomasse und Aufwuchs

          durch S. Behrendt, R. Heigel, H.-W. Schmidt

   Sicherung und Entwicklung von Feuchtbiotopen und Artenschutzmaßnahmen

        ⇒  Mahd „Sperberhofwiese“ erfolgte in der 2. Juliwoche um der Ausbreitung der Disteln entgegen zu wirken.

        ⇒ Sicherung der Wasserhaltung im „Erlenbruch Neuholland“ April 2019 in Absprache mit dem WBV „Schnelle Havel“ durch H.-W.Schmidt.

        ⇒ Regulierung der Stauhaltung am Hauptstau „Kavelgraben“ und der „Entenwerft“ im „FFH-Gebiet „Kreuzbruch“ durch H.-W. Schmidt

        ⇒ Organisation und fachgerechte Errichtung eines Storchenmastes in Velten als Ersatzmaßnahme für einen genehmigten Abriss und

            vorsorgliche Reduzierung eines Althorstes in Zehlendorf durch R. Heigel.

        ⇒ Installation von 6 Mauersegler-Nistkästen in Oranienburg am Gebäude der Lebenshilfe mit Unterstützung durch die Stadt Oranienburg,

            Herrn Lasrich durch Frau Schuldes.

        ⇒ Ansiedlung von Mauerseglern mit Rufattrappe am Rathaus Hohen Neuendorf

        ⇒ Die Artenschutzmaßnahmen für den Turmfalken mittels Kontrollen und 2 Nistkästen in Kirchen und anderen Gebäuden wurden mit

            Unterstützung durch die Stadt Oranienburg fortgesetzt von Herrn Jänicke.

        ⇒ Im Forstrevier Krämerwald wurde die Reinigung, Reparatur und Kontrolle von über 100 Nistkästen durch Frau und Herrn Pelzl u.

            H. Remek weitergeführt.

        ⇒ In unserer Wildvogel- und Igelhilfe bei R Heigel wurden 104 kranke bzw. verletzte Vögel aufgenommen. 87 Vögel sind erfolgreich ausgewildert

            worden, 9 durch Katzen tötlich verletzt und 8 mussten leider getötet werden.

            Für die Fütterung der Vögel kaufte der RV 30 kg Eintagskücken, 2 kg Mehlwürmer und 6000 Heimchen und erhielt mit Fischen von Anglern

            und Fleisch von Jägern wichtige Unterstützung.

 

       2. Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit
 

            Unsere Kindernaturschutzgruppe AG „Naturschutz“ lernt und handelt weiterhin erfolgreich in der Grundschule Germendorf im 14-tägigen

            Abstand unter Leitung von Frau Schulz, Frau Bischoff.

        ⇒ Unsere gern besuchte Webseite www.nabu-oranienburg.de mit dem aktuellen Blick in ein Storchennest wurde unter Leitung von R. Heigel+

            wieder aktualisiert. Zur Dokumentation der Betreuung der aufgenommenen Vogel-Patienten wurden aktuelle Bilder von gepflegten und

            ausgewilderten Vögeln dargestellt.

        ⇒ Unter Leitung von Frau I. Pelzl gestaltete unsere AG wieder eine naturschutzfachliche Ausstellung mit u. a. Infos zum Fledermausschutz,

            einem Film zur Brutbiologie des Weißstorches, einer Nistkastenkamera (Herr Möhrke) und unserem Vogelquiz (Frau Hebestreit, Herr S. Behrendt)

            beim „Krämerwaldfest“ am 28.04. in Wolfslake.

        ⇒ Unser Info-Stand beim Heidefest in Zühlsdorf, beim Frühlings- und Apfelfest in Oranienburg-Eden wurde von J. Hebestreit und S. Behrendt

            erfolgreich betreut.

        ⇒ Die öffentliche Vogelstimmenwanderung um den „Summter See“ erfolgte am 28.04.19 unter Leitung von Frau Kirchner.

         

           Bei der Unterschriftensammlung für die Volksinitiative „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“ in Brandenburg haben wir ca. 500 Unterschriften

           gesammelt. Dabei hat Frau Sachse und Herr Welzel das Infomobil der beteiligten Landesverbände am 1./2.08.19

           in Hennigsdorf unterstützt. Besonders erfolgreich waren U. Sachse, R. Heigel, J. Hebestreit und S. Behrendt.