Westlich von Hennigsdorf erstreckt sich auf 722 Hektar ein großes Niedermoorgebiet mit einer außergewöhnlich großen Zahl hochgradig gefährdeter Pflanzenarten. Feucht- und Frischwiesen, Grünlandbrachen und Staudenfluren prägen das Gebiet. Besonders wertvoll sind die halbnatürlichen, kalkreichen Pfeifengraswiesen, von denen zwei als Flächennaturdenkmal ausgewiesen sind. Vor allem im östlichen Teildes FFH-Gebiets finden sich auch Eichen- und Eichen-Hainbuchenwälder.
Der größte Teil des FFH-Gebietes liegt im Landkreis Oberhavel, etwa 108 Hektar im Südwesten des Gebietes im Landkreis Havelland. Teilflächen wurden einst von dem benachbarten Fliegerhorst als Flugplatz genutzt. Diese Bereiche hat die Natur weitgehend zurückerobert.
Die Bewirtschaftung des Niedermoors erfolgt durch Mahd und Beweidung sowie gezielte Landschaftspflege. Ein zunehmendes Problem sind die Entwässerung, fallende Grundwasserstände und ausbleibende winterliche Flutungen. Auch vor dem Muhrgraben mit teufelsgrund macht der Siedlungsdurch nicht halt: Künftig wird die Besucherlenkung und Sicherung des Gebiets vor zu intensiver und störender Freizeitnutzung besondere Aufmerksamkeit verlangen.
Gebietsbetreuung: Martina Wagner und Stephan Weise mit Natur Hennigsdorf e.V.
Die ursprünglich mäandernde Muhre, inzwischen leider kanalisiert, durchfließt das Gebiet von Nord nach Süd, unterquert durch eine Dükerkonstruktion den Havelkanal an der südlichen Grenze des FFH-Gebiets und wird außerhalb bei Schönwalde in den Nieder Neuendorfer Kanal geleitet. Die alten Mäander sind bei winterlichem Hochwasser noch deutlich ausgeprägt und verdeutlichen die Genese der Vielfalt dieser Landschaft.
Schützenswerte Lebensräume und Lebensgemeinschaften
Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe, magere Flachland-Mähwiesen, Subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichenwald oder Hainbuchenwald, alte bodensaure Eichenwälder auf Sandebenen mit Stieleiche , trockene, kalkreiche Sandrasen
Bedeutende Tierarten
Biber, Braunes Langohr, Fischotter, Großer Abendsegler, Braunkehlchen, Gartenbaumläufer, Neuntöter, Rotmilan, Schwarzmilan, Sperbergrasmücke, Steinschmätzer, Sumpfrohrsänger, Weißstorch, Wendehals, Wespenbussard, Wiesenpieper, Zauneidechse, Kammmolch, Knoblauchkröte, Moorfrosch, Teichfrosch, Schlammpeitzger, Großer Feuerfalter, Gestreifte Heideschnecke
Bedeutende Pflanzenarten
Bayrischer Löwenzahn, Betonie, Brandenburger Löwenzahn, Breitblättriges Knabenkraut, Echter Augentrost, Fleischfarbenes Knabenkraut, Fuchs-Knabenkraut, Färber-Scharte, Gelb-Segge, Gewöhnlicher Teufelsabbiss, Gewöhnlicher Wundklee, Große Händelwurz, Großer Ehrenpreis, Großer Wiesenknopf, Großes Flohkraut, Grünliche Waldhyazinthe, Herbstzeitlose, Hirsch-Haarstrang, Kamm-Wurmfarn, Kleines Mädesüß, Kleines Tausendgüldenkraut, Knotiges Mastkraut, Königs-Rispenfarn, Mondraute, Niedrige Schwarzwurzel, Pech-Nelke, Prachtnelke, Salz-Hornklee, Saum-Segge, Schopf-Kreuzblümchen, Schuppenfrüchtige Gelb-Segge, Sibirische Schwertlilie, Stengellose Kratzdistel, Strand-Löwenzahn, Straßen-Gänsefuß, Stufenblättriger Löwenzahn, Sumpf-Herzblatt, Sumpf-Löwenzahn, Weidenblättriger Alant, Wiesen-Knöterich
Eine Schäferin bewirtschaftet einige Wiesen im Vertragsnaturschutz durch Beweidung mit Schafen und Ziegen.
Der Verein Natur Hennigsdorf e.V. pflegt die wertvollen Wiesen im Vertragsnaturschutz im Auftrag des Landesamts für Umwelt Brandenburg.
Im Spätsommer mähen und schwaden die Mitglieder mit eigenem Traktor und entfernen die Biomasse, um die mageren Standorte zu erhalten. Nur so kann die enorme Artenvielfalt erhalten werden.
Helfer sind herzlich willkommen.
DO 20. März
Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ist schon ein sehr langes Wort für ein Schild. Das FFH-Gebiet Muhrgraben mit Teufelsbruch begrüßt seine Besucher nun mit Schildern, die darauf hinweisen, dass sie das größte Schutzgebietsnetz zum Erhalt der biologischen Vielfalt Europas betreten. Gemeinsam mit dem Natur Hennigsdorf e.V. hat der NABU die Schilder installiert. Das Gebiet wird von Martina Wagner betreut.